TRASSE WAS IST DAS ???

Die DDR ließ sich den Trassenbau einiges kosten. Auf dem Weltmarkt wurde die beste Großtechnik gekauft. Rohrleger, Bagger, Schwerlasttechnik und noch viel mehr kaufte man in den USA, der BRD, Italien, Frankreich und Japan. Mit Beginn der Arbeiten im Ural erhöhten sich diese Einkäufe noch mehr. Dazu orderte man Rohre in astronomischen Zahlen. 10000 Rohre mit einem Gesamtgewicht von 80000 Tonnen benötigte man um 100 Kilometer Pipeline verlegen zu können. Insgesamt wurden von 1975 bis 1992 1750  Kilometer Pipeline von deutschen Monteuren verlegt. Überwiegend 1420 Rohrgrößen. Es wurden 19 Verdichter- stationen, 16 Schulen und Kinderkombinationen, Hunderte Kilometer befestigter Straße, mehrere Industrieobjekte und über 4500 Wohnungen gebaut. Eine gigantische Leistung. Einen sehr großen Anteil daran hatten die Wohnungsbauer. Wohnungsbau war sehr wichtig für die Sowjets. Die Wohnungsbau Betriebe haben viel dazu beigetragen, die angespannte russische Wohnungssituation in manchen Gebieten zu mildern. Beteiligt: WBK, STK, BMK Betriebe der DDR

Bauabschnitt
Ukraine

Nach dem erfolgreichen Abschluss der Drushba Trasse Ende der 70er Jahre kamen neue Herausforderrungen auf die DDR Trassen Montage Betriebe zu.  Die DDR übernahm wieder einen bestimmten zu bauenden Gasleitungsabschnitt in der UdSSR. 1982 wurde dieses Bauvorhaben wiederum FDJ Jugendobjekt. Zwei Bauabschnitte mussten gemeistert werden.
Abschnitt 1:  140 Kilometer Gasleitung zwischen Bogorodtschany und Gussjatin in der Ukraine, dazu 3 Verdichter in Bar, Wolowez und Bogorodtschany. 12 Wasserhindernisse, darunter der Dnestr, mussten überwunden werden.
Abschnitt 2: 300 Kilometer Pipeline zwischen Jelez und Serpuchow südlich von Moskau. Dazu 4 Verdichter, 3 bei Starojurjewo, einer bei Jefremow. Außerdem 1000 Wohnungen und  Sozialeinrichtungen.
Beeindruckend ist die 250 Meter lange Rohrbrücke über den Dnestr und der Verdichter von Wolowez welcher auf einen über 700 Meter hohen Berg errichtet wurde. Die Arbeiten an den 2 Abschnitten waren im wesentlichen 1986 beendet.

Und weiter ging es. Das nächste Großobjekt in der UdSSR. Ab 1984 ging es in den Ural. Noch mal waren um die 800 Kilometer Rohrleitung in die russische Erde zu bringen. Dazu 8 Verdichter. Die Trasse führt von Gornosawodsk über Kungur, Orda, Barda und Karamorka nach Tschaikowski.
Die klimatischen Verhältnisse in dieser Region stellte alles bisher erfahrene in den Schatten. Die Sommer heiß und voller Mücken, Zecken und allerlei Getier. Die Winter kalt und frostig. Teilweise fiel die Temperatur auf Minus 40° Celsius. Das Land war faktisch ohne Infrastruktur, Brücken die mit 50 Tonnen passiert werden sollten waren ausgelegt für 3,5 Tonnen. Spektakuläre Szenen blieben da nicht aus. Die DDR Monteure improvisierten. Wie immer. Lange bevor ein heutiger Baumarkt mit diesem Slogan Werbung machte, hieß es an der Trasse schon vor 15 Jahren: „Geht Nicht - Gibt's Nicht".  Über 15000 Monteure waren im Permer Gebiet tätig. Alles, aber auch alles wurde aus der DDR herangeschafft. Schrauben, Öl, ja selbst Zement karrte man aus über 3000 Kilometer heran. Ein riesiger Aufwand wurde betrieben. Hauptamtliche Kulturmitarbeiter hielten die Trassniks bei unzähligen Discoabenden bei Laune. Die Versorgung an der Trasse mit Lebensmitteln war öfter besser wie in der Heimat. Ein gigantisch aufgezogenes Versorgungssystem. Absolut kostenintensiv. Aber den Trassenkumpel gefiel es. Eine Unmenge von Briefen wurde nach Hause geschrieben. Einige kamen nicht klar mit den Verhältnissen. Sie gingen vorzeitig nach Hause. Oder sie gingen ganz woanders hin. Verkehrsunfälle, Unglücke, Alkohol... Mit dem Ende der DDR brach natürlich auch der Trassenbau zusammen. Nicht ganz, aber es war mehr ein kleckern als klotzen. 1993 waren die Verträge, die BRD übernahm die DDR Verträge, gegenüber den Russen im wesentlichen erfüllt. Abschließend kann man sagen, dass die DDR Monteure an einem gigantischen Projekt mitgearbeitet haben. Und gut haben sie gearbeitet. Solche Objekte sind wahrscheinlich in Zukunft nicht mehr machbar.                                                                               Das war das Privileg der sozialistischen Planwirtschaft. 

Was ist geblieben? Unzählige Erinnerungen an die Trassenzeit. Und Erfahrungen. Und die Einsicht das nicht alles schlecht war in "the old GDR". Einige wollen von dieser Zeit nichts mehr wissen, andere kommen davon nicht mehr los.  Am Pipeline Bau war kein Platz für Egoisten. Hier zählte Kameradschaft. Was bleibt sind Freunde.  Freunde fürs Leben. Nicht alle, aber ein, zwei sind schon dabei. Und ein ganz besonderes Gefühl. Das Gefühl dabei gewesen zu sein: Am Bauwerk des Jahrhunderts!!!

Alle Textbeiträge von Michael Samel  (ehem. LT/AT  ...der Bunte)